Liebe Jungs/Mädels/Unterstriche,
das Jahr 2006 war ein schönes Jahr, ein erfolgreiches Jahr, ein Jahr voller Sexyness und Lifestyle. Viel wurde getrunken und gegessen, erfreulich wenig davon wieder erbrochen, und das, obwohl es durchaus genügend Anlässe dafür gab. Ja, wir hatten Spaß! Wir hatten Freude! Wir waren ein Teil von euch! Besonders viel Spaß hatte ich mit dem ADF-Contest, einem Event, der mich mit Lebensfreude und Zuversicht erfüllt. Wir müssen uns wieder auf unsere Wurzeln berufen, dürfen uns nicht im Dickicht der Unterhaltungselektronik in sinnlosem Fetischismus verlieren. Seien wir stark! Weniger Spaß hatte ich mit Deutschland; ich schlage deshalb vor, es in diesem Jahr gemeinsam zu zerschlagen – und wenn das nicht klappt, wenigstens ein paar Champagnerflaschen, gestohlen von der kulinariakatastrophalia-WG, die meine Toleranzgrenze in bezug auf die deutsche Sprache bis ins Übermaß strapaziert hat. Aber kochen können sie. Andere Blogs, vornehmlich solche jugendlicher, merkbefreiter Art, hat Kollege GR/ML bereits ausreichend seziert. Ja, es war ein schönes Jahr für Freundinnen obskurer Teenagerlyrik! Freuen wir uns auch darüber.
Liebe Landsleute! Dieser Aufschwung darf kein Strohfeuer bleiben. Blogsport gelingt nur gemeinsam. In diesem Sinne ein gesundes, friedliches und revolutionäres 2007 an die liebe Leserschaft von
Gen. tenpounds, im Januar 2007
P.S.: übrigens: ein herzliches Dankeschön an zeank und gigi für Blogsport.
Und im Anhang: die 20 besten Platten des Jahres 2006! Wie immer absolut objektiv und richtig.
„Believes In Patterns“ ist das zweite Album dieser jungen, schönen Band aus den USA. Man entfernt sich immer mehr vom klassischen Emo und gibt filigranen Songstrukturen mit bittersüßen Melodien immer mehr Raum. Leider können Sängerin und Sänger ihr Handwerk nicht so gut, dafür klingt die Violine um so schöner. Wenn der Weg konsequent weitergegangen wird, wird das mal was ganz großes.
Ein gemütliches Frühlingsalbum für gemütliche Frühlingslaunen.
Mächtig finster, erdrückend, aber niemals langweilig: die Kanadier wissen, wie das geht, wenn man metallische Hymnen an die Natur schreiben möchte.
Diese Band ist so unglaublich retro, es ist zu schön. „Tired Of Hanging Around“ ist mindestens genauso gut wie das Debüt „Who Killed The Zutons“ und bietet genau wie dieses einen poppigen Blues-Rock-Hit nach dem anderen. Wegen ihnen habe ich sogar den „Visions Spring Break“ besucht, eine Veranstaltung, auf der sonst nur sehr durchschnittliches zum Tanze aufgespielt hat, und die außerdem grotesk teuer war. Aber die Zutons waren super.
Ein zurecht gehyptes Rock-Album.
Ich stehe ja durchaus auch auf sehr simple Wikingermusik (Ensiferum! Yeah!), aber wenn zwei verrückte Norweger meinen, ihren Vorfahren durch episch angehauchten, durchgeknallt-vertrackten Progressive/Black Metal Tribut zollen zu müssen, nehm ich das auch gerne mit. „Black For Death“ ist noch durcher als der erste Teil „Red For Fire“, ist aber auch, wie jedes Solefald-Werk, mit genügend Widerhaken ausgestattet, um es immer wieder hören zu wollen. Hinzu kommt der großartige Gastauftritt von Ulver-Sänger Trickster G.
Es gab dieses Jahr eine Phase, in der ich beinahe ausschließlich the Mountain Goats gehört habe, vor allem ihr 2005er-Album „The Sunset Tree“, das so voller schöner Acoustic-Pop-Perlen steckt, das man meint, es ginge nicht besser. John Darnielle war wohl der gleichen Meinung und nahm mit „Get Lonely“ ein düster-melancholisches, beinahe hypnotisches Werk auf, das so gut wie nichts mit dem Vorgänger gemein hat. Kann ich nicht so oft hören wie „The Sunset Tree“, aber auf jeden Fall auch ganz große Klasse.
Diese Huldigung an 70er-Jahre-Prog ist, wie alle Decemberists-Alben, ein erstklassiges Hörvergnügen, trifft aber nicht ganz so meinen Nerv wie der wunderbar beschwingt-melancholische Vorgänger „Picaresque“. Nichtsdestotrotz ein Muß.
Ich mag jetzt auch Black Music. TV On The Radio sind moderner Indie-Gospel, absolut mitreißend und faszinierend.
Da bin ich ja nun mal gar nicht warm geworden mit am Anfang. Nach dem herrlich kitschigen „Das Ende unserer Zeit“ ein langweiliges „Hamburger Schule“-Album, dachte ich bei den ersten paar Durchläufen. Es wurden dann immer mehr Durchläufe, und irgendwann stellte ich fest, was für großartige Songs die Herren von Schrottgrenze hier geschrieben haben. Weniger Kitsch, mehr Gefühl, oder so. Und alles andere als „Hamburger Schule“!
Diese beiden Österreicher können offensichtlich auch nichts falsch machen. Ihr absolut einzigartiges Lo-Fi-Geschepper über Orks, Elben und Hobbits ist auch beim mittlerweile sechsten Album ein erhabener Genuß für hoffnungslose Träumer mit Fernweh.
Daß Belle & Sebastian nochmal so ein großartiges Werk veröffentlichen würden, hätte ich nicht gedacht. „The Life Pursuit“ definiert den locker-flockigen Indie-Pop der US-Amerikaner völlig neu, fügt hier und da ein paar funkige Widerhaken ein und bietet alles in allem den perfekten Soundtrack für den Sommer.
Als ich im Januar die ersten Riffs dieses Albums gehört habe, war mir völlig klar, daß dies das Album des Jahres sein würde. Es kamen dann doch noch sieben bessere, aber egal: „Desolation Street“ rockt von vorne bis hinten, vereint whiskeytrunkene Seligkeit mit abgefuckter Wut und ist das beste, was der Rockmusik seit Social Distortions „Sex, Love & Rock‘n'Roll“ je passiert ist. Mir ist absolut unverständlich, warum diese Finnen in Deutschland so wenig Fans haben (beim Konzert in Mülheim war nichts los außer meinem Punkrockfinger). Sei’s drum: anhören!
Folk-Pop aus Sheffield, komplett zauberhaft, leider ebenfalls völlig unbekannt. Ein Album zum Heulen, Lachen, Versinken.
Das wohl bombastischste Album des Jahres; als hätten die Shins zuviel Wagner gehört, werden hier geradezu monumentale Harmonien in mächtigen Riffs auf die Hörerin losgelassen und lassen einfach nur noch träumen.
Katatonia haben nach dem für ihre Verhältnisse schwachen „Viva Emptiness“ wieder die Kurve gekriegt, aber so richtig. „The Great Cold Distance“ ist unerbittlich: in jeder Note, jedem Riff, jedem Wort steckt der pure Schmerz und immer aber auch die Hoffnung, daß er irgendwann mal aufhört. Ein ganz intensives, durchdringendes Album voller tiefschwarzer Hits.
Dafür steckt hierin dann die pure Lebensfreude. Nach dem Unicorns-Split von Nick Diamonds als Projekt ins Leben gerufen, wurde Islands schnell zu einer richtigen Band, und zwar zu einer der spielfreudigsten, die ich je gesehen habe. Was da in Münster für eine Energie rüberkam, das war sensationell und kann beim Hören von „Return To The Sea“ auch nur erahnt werden. Trotzdem ist dieses Werk in seiner Ruhe einzigartig, wunderschön und steht zu Recht so weit oben. Für 2007 wird das Zweitwerk erwartet, und wenn das nicht übermächtig wird, weiß ich auch nicht.
Die wohl sympathischste Band dieses Planeten mit ihrem zweiten Album. Macht süchtig, macht fröhlich, macht wütend, macht traurig und alles. „30 Quadrat gegen drei Etagen Massenware“. Jawoll.
Da fehlen mir die Worte. „Schimmern“ bedeutet mir ne ganze Menge. Punk as fuck.
Mr. Jack Terricloth sagt: „I can not tell you how many times I have heard from my lovely girlfriend „Jack, why is the television set laying in a smoldering heap across the room?“ or „Jack, why are you walking down the street on the roofs of parked cars?“ or „Jack, why have you smashed all the Beatles cd’s I borrowed from Franz?“ And then (…) I yell „Because I‘m an anarchist! Duck so I can throw the alarm clock out the window!“"
And that’s why. Darüber hinaus ist The World/Inferno Friendship Society auch die beste Live-Band der Welt, schreibt tiefgründige Songs, die einfach immer gute Laune machen und niemals langweilig werden, mit Texten, die der Welt ein großes „Fuck you!“ entgegen schreien, und sieht dazu noch unglaublich gut aus. Es kann überhaupt kein anderes Album des Jahres geben.
Danke für die Aufmerksamkeit. Das war mein Großer Musikalischer Jahresrückblick des Jahres 2006. Alles andere, vor allem die ganzen gehypten Indie-Bands und das schnulzige Calexico-Album „Garden Ruin“, ist schlechter. Wer die Platten nicht kennt: anhören! Es soll zu Ihrem Schaden nicht sein.
Sachbearbeiterrockmusik, SozPädCountry, schmieriger Semifaschistenblackmetalambient und Schwangerschaftsteeindiepop.
Exakt.
so treffend will ich auch mal beschimpft werden