Archiv für April 2009

Ich hab’s immer gewusst!

Der Praktikantenblick aus der Ecke fällt auf eine überladene Metallplatte am Fenster („eine Spezialanfertigung“). Viele Zeitschriften liegen drauf, bevorzugt humorfreie: Der Economist, Spektrum der Wissenschaft und die linke Vierteljahresschrift Gegenstandpunkt. Ohne genau zu wissen, was auf der Welt passiert und was wer darüber denkt, funktioniert literarische Hochkomik, wie sie die Titanic pflegt, nicht.

(Frankfurter Rundschau)

Beste

the spring is my love

the wind the birds the love the air the breeze the dew the spring you need!

Glück

Ich glaube, dass das Leben in Afrika das bessere ist. Man hungert, man friert – aber man kotzt nicht über das Leben in Hollywood.

Franz Josef Wagner ist ein kluger Mann, denn Wagner weiß, was Glück ist. Glück, das ist, wenn man in Malawi lebt, dessen einziger in Europa spielender Fußballnationalspieler sein Geld übrigens bei ROT-WEISS AHLEN verdient, und dort hungert. Das muss man verstehen: Wagner, der die eine Hälfte des Tages zusammen mit VHS-Mitschnitten der Sendung „Anne Will“ onanierend in seiner Wohnung verbringt, und die andere Hälfte des Tages sinnlos in der Charlottenburger Paris-Bar auf die große Liebe wartet, die nie kommt, weil Wagner einfach zu scheiße ist und alle nur Mitleid mit ihm haben, dieser Wagner also, der würde auch gerne hungern. Und frieren. Doch Wagner legt sich nicht einfach in die Truhe und stirbt, nein, Wagner schreibt jeden Tag in der „BILD“ kleine Meisterwerke asozialer Kurzprosa, die so abstoßend wie schön sind. Der Mann ist ein KÜNSTLER, und sollte er irgendwann mal hops gehen, will ich eine Ausstellung seiner besten Werke in der Paris-Bar, und bei der Vernissage, wenn sie alle da sind, die ganze schmierige Entourage der Berliner High-Society, die Diekmanns, Wills und Walzens dieser Nation, dann geht sie hoch, die Bombe, und gute Menschen fühlen das Glück.