Archiv für Mai 2009

Mosaik

(via)

Tag

Am heutigen Tag der Arbeit gilt es innezuhalten.

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Ich bin durchaus gegen Rocco Poloczeks Abqualifizierung des Ghettos als subkulturell geprägter Freiraum fürs PREKARIAT. Ich fühle mich hier recht wohl, was unter Umständen daran liegt, dass ich keine kleine Kartoffel mehr bin. Jedoch kenne ich kleine Kartoffeln, und so weiß ich: solange du über ein Messer und genügend Zigaretten verfügst, ist eigentlich alles in Ordnung. Hin und wieder noch einen Vodka, nun ja, eben alles wie bei den Großen. Wir leben in einer schönen Welt.

Die Welt ist so schön, dass ich schreien könnte. Sicherlich brennen alle meine Leser darauf zu erfahren, wie denn meine Collage aussieht. Ich sage: kommt Zeit, kommt Collage. Heute ist erstmal Arbeiterkampftag, spiegel.de schrieb dazu: „Linksextremisten verbreiten Plakate mit brennenden Polizisten, der Innensenator bringt sich vor Autonomen in Sicherheit – und die CDU erregt sich über ‚No-go-Areas für Demokraten‘“ – schön! Ich habe eine Mandelentzündung, ich kann gehen, wohin ich will, aber ich will nicht. Bitte trotzdem schön feiern. Und „CDU-Mann Kurt Wansner“ fotografieren dabei, wie er „ohne Stand und Schirm, aber möglicherweise mit einer CDU- bzw. Deutschlandfahne“ darauf wartet, verdroschen zu werden!

die k-frage lautet
kann das sein?
könnt ihr denn nicht lesen?
und so war das nicht gemeint
markt ist nicht nur mittwochs
und er ist auch nicht dein freund

(Trend, „Freundliches Feuer“)

Ich sitze so am freundlichen Feuer und kann ja echt nur mit dem Kopf schütteln. Die Welt ist offenbar völlig verrückt geworden, was bestimmt der Grund dafür ist, dass sie immer wieder Sachen produziert, die mich lächeln lassen. Gestern nacht z.B. schaute ich fern. Als erstes schaute ich mir ein Fußballspiel an, das war nur leidlich interessant, DANN ABER: auf meiner Festplatte fand ich die Aufnahme einer Folge der exzellenten Dokureihe „Fremde Kinder“, in der es um Kinder aus anderen Ländern geht, in diesem Falle ein achtjähriges Fußballtalent in Brasilien, und zwar ein ähnlich talentiertes wie Lionel Messi! Das war wirklich schön. Kein Vergleich zur F-Jugend hierzulande. Was läuft da falsch, frage ich mich? Theo Zwanziger wird es wissen.

Eine andere exzellente Dokureihe, die Sendung „Exklusiv – Die Reportage“ auf RTL2, strahlte dann die Episode „140 KILO GEBALLTE EROTIK!“ aus, und zwar haben wir es dabei zu tun mit einer echten Liebeserklärung an das Leben, eine Art Antidepressivum für den kleinen Mann, also mich. Gezeigt wird der Alltag zweier „molliger“ Frauen, und zwar den der „dicksten Hure Berlins“, Molly Luft, eine Frau so sympathisch wie fett, fantastisch, und den einer etwas unbekannteren alleinerziehenden Mutter, die ihre Erfüllung in Flirtchats, einem Frisörbesuch für über eintausend Euro und der abendlichen „Molly-Party“ im Swingerclub findet. Molly Luft verströmt dabei trotz 64 Lebensjahren, 140 Kilo Lebendgewicht, einem Haufen psychopathischer Freier und einer schweren Krebserkrankung eine Lebensfreude, die mir ganz klar gemacht hat, dass ich auf der Stelle aufhören muss zu jammern. Und der Anblick einer Molly-Party im Swingerclub: wer da nicht zu sich selber findet, der macht etwas verkehrt. So wie Gewerkschafter:

Essen. Oliver Burkhard, Chef der IG Metall in NRW, versteht die Wut der Leute, hält aber Aufrufe zu sozialen Unruhen für falsch. Auch Generalstreiks lehnt er ab. „Soll Lafontaine doch dazu aufrufen, es wird ihm kaum einer folgen“, sagt Burkhard im Interview.

Immer feste druff!