Der schönste Platz ist immer an der THEKE, verdammt!

Muff Potter ist tot. Welche Freude!

Gemeint ist natürlich nicht der sympathische Obdachlose aus Mark Twains Die Abenteuer des Tom Sawyer, sondern die Musikgruppe aus Rheine, die, weil sie den Fehler machte, von dort aus nicht etwa in eine gute Stadt, sondern nach Münster zu ziehen, irgendwann eben auch genau so klang: nach grünalternativem Fahrradfahrer mit kritischem Gestus, nach Student und Studentin, drei Uhr morgens im Gleis 22, willenlos sich an einem Bierglas festhaltend, ohne Aussicht auf Erfolg, Heilung, guten Geschmack; irgendwas. Muff Potter war eine hervorragende Punkband, etwa drei Alben lang; dann ist sie Konsens geworden, angesiedelt irgendwo zwischen Virginia Jetzt! und dem vierten Album von …But Alive, und das nicht einmal mit guten Songs oder klugen Texten, sondern mit dümmlichen Wortspielen und belanglosem Deutsch-Rock. Folgerichtig interessierte sich außer einer kleinen Fangemeinde und dem einen oder anderen verwirrten Kritiker auch niemand für die Band, weshalb sie sich nun aufgelöst hat. Wer den Abschiedsbrief richtig liest, erkennt das:

wir glauben, daß wir nach gut 16 jahren an einem schlusspunkt angekommen sind. wir glauben, daß wir dieses jahr mit „gute aussicht“ eine der besten randale platten des ganzen jahrzehnts abgeliefert haben. wir glauben, daß wir in all den jahren, nicht zuletzt 2008/2009, phänomenal viel energie in diese band gesteckt haben.
muff potter, ein monster, larger than life.

Glauben kann man vieles, mit Wahrheit indes hat das meist nicht viel zu tun. Übersetzt heißt das aufgeblasene Geschwafel sowieso nur folgendes: SECHZEHN JAHRE GIBT ES UNS JETZT SCHON, UND WIR SIND IMMER NOCH NICHT REICH, OBWOHL WIR – VERDAMMT NOCHMAL – SO SUPER GUT SIND, DASS ES KRACHT. GEMEIN, GEMEIN, GEMEIN! Aber das schreibt man nicht, man muss es in billigem Studentensprech und mit der widerlichsten Form von Pathos, die überhaupt vorstellbar ist, derjenigen mit Understatement nämlich, verwässern, damit die dämliche Fanschar wenigstens noch zu den Abschiedskonzerten kommt und nicht gleich mit beleidigt ist.

Eines dieser Abschiedskonzerte findet am 11.9. im neuen Dortmunder „Freizeitzentrum West“ statt, zusammen u.a. mit Chuck Ragan, für geschmeidige 24 Euro. Was einen Mann wie Ragan dazu treibt, mit Muff Potter gemeinsame Sache zu machen, ist mir schleierhaft, aber Geschmacksverirrung macht ja bekanntlich selbst vor großen Künstlern nicht halt. Der Mann jedenfalls ist gut, also, damit wir uns richtig verstehen: seit er solo singt. Hot Water Music war Mist.

Man könnte glatt hingehen. Und die ganze Zeit „Fernbedient“ fordern und singen, den so ziemlich besten Song, den Muff Potter – neben „Meduzin“ – jemals gemacht haben: „wir sind die schwulen säue und die dreckigen zecken – wir sind geniale krüppel – und ihr am verrecken – und was sollen wir machen – außer lachen“, und dann lachen. Aber ich habe Wichtigeres vor am elften September: Bielefeld muss dem Erdboden gleich gemacht werden, Rot-Weiß Ahlen wird das Mittel der Wahl sein, und am Ende des Tages erwarte ich an der Stelle, an der zuvor die Schüco-Arena gestanden hat, einen gigantischen Krater, Staub, Ground Zero, das Ende (Arminia) Bielefelds. Oder zumindest einen 2:1-Sieg!

Wird schon.

P.S.: Was sind eigentlich „randale platten“?


6 Antworten auf „Der schönste Platz ist immer an der THEKE, verdammt!“


  1. 1 bielefelder 10. August 2009 um 17:38 Uhr

    Ich freue mich auf deinen Besuch in meiner schönen Stadt. Um die speziellen Bedürfnisse gegnerischer Fans und Spieler machen wir uns immer Gedanken. Ich möchte besonders Dir weiterhelfen, indem ich von der heimseite unseres Vereines zitiere:
    „Die Plätze für die Rollstuhlfahrer und Sehbehinderte befinden sich entlang der Westtribüne. Bezüglich Einzeltickets für Rollstuhlfahrer gibt unsere Behindertenbetreuung (Tel.: 0521 – 9 66 11 268 / behindertenbeauftragter@arminia-bielefeld.de) gerne Auskunft“
    Die Spieler Ahlens können sich darauf verlassen von ihren Fahrzeugen barrierefrei aufs Spielfeld und wieder zurück zu gelangen. An die sanitäre Versorgung wurde auch gedacht, auf allen behindertengerechten Klos der gegnerischen Umkleide liegen Inkontinenzeinlagen unterschiedlicher Stärke aus.
    Viel Spaß:)

  2. 2 tenpounds 10. August 2009 um 19:37 Uhr

    Ja gut, ich mein…

    …in Bielefeld ist „Du Behindi“ vielleicht ne ganz gute Beleidigung. Unter zivilisierten Menschen aber geht das anders, du schwanzgesteuerter Logarithmus!

  3. 3 bielefelder 10. August 2009 um 19:58 Uhr

    Da ich aufgrund meines schlechten Abschneidens beim Zivilisationstest vom Besuch höherer weiterführender Schulen ausgeschlossen war, musste ich erst googlen was ein Logarithmus ist. Von schwänzen war in dem Wikipedia-Artikel nicht die Rede. Ich vermute du willst mich beleidigen. Dabei wollte ich nur helfen. Ich finde deine Reaktion geradezu unzivilisiert.

  4. 4 crull 11. August 2009 um 16:17 Uhr

    Also, hmmmm, naju, naja…
    Der „bielefelder“, der sich hier so unterwürfig klein schreibt, der ist doch gekauft von Bochum, Düsseldorf, Ahlen oder einer anderen existierenden Stadt. Damit man die echten Bielefelder noch mehr haßt als je. Muff Potter (bis inklusive Album 3) und Muff Potter (ab exklusive Album 3) waren immer schon und je halt eben 2, nämlich zwei verschiedene Bands. Isso. Da erübrigt sich dann auch je des weitere Wort. Is auch so.

  5. 5 tenpounds 11. August 2009 um 17:37 Uhr

    Find ich nicht. Dafür macht mir das viel zu viel Spaß!

  6. 6 crull 10. September 2009 um 16:42 Uhr

    Du hast ja ganz Recht. Ich weiß gar nicht, was mich immer wieder reitet zu behaupten, über was auch immer könne man „sich dann auch je des weitere Wort“ sparen. Ich weiß es nicht.

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