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Editors

Neulich war ich auf einem Konzert der Band Editors. Deren Album „In This Light And On This Evening“ hat mich die letzten zwei Monate lang tief berührt, insbesondere die beigelegte Bonus-CD, das Konzert hingegen war ein Kulturschock: ca. 2000 Leute füllten die Halle, überall hingen 1Live-Banner, die Leute sahen so aus wie ich mir die Leute vorstelle, vor denen ich bei Liedern wie „I Want A Forest“ oder „Walk The Fleet Road“ gedanklich flüchte. Dass sie mir bei einem Konzert der Band, die für diese Lieder verantwortlich ist, auflauern würden, damit hatte ich nicht gerechnet. Ich suchte einen vernünftigen Platz, um es mir trotzdem möglichst störungsfrei anzuschauen, was relativ unmöglich war: überall waren sie, rempelten mich beim Versuch, nach vorne zu gelangen, an, ließen mich ihr schlechtes Parfum oder Deodorant oder Haargel riechen, und als die Band dann spielte, standen sie in Form zweier extrem gut gelaunter junger Frauen direkt vor mir und tanzten, als seien sie auf einem Wolfgang-Petry-Konzert, kreischend. Allerdings überwiegend zu den älteren Liedern: mit den neuen, unterkühlten und absolut brillanten, mit reichlich Synthesizer ausgestatteten Meisterwerken konnten sie bezeichnenderweise wenig anfangen, ja, sie hatten sogar etwas dagegen einzuwenden, versuchten sie doch „The Boxer“, eine Ballade über Nostalgie und Einsamkeit, dadurch zu zerstören, dass sie die Arme in die Luft streckten, um sie im Takt hin und her zu wedeln. Leider sind meine Blicke nicht tödlich. Auf Lieder der beinahe übermenschlich guten Bonus-CD verzichteten die Editors zum Glück, sie hätten in diesen Rahmen überhaupt nicht hinein gepasst.

No push and no shove
Spit your verbal mace
Hate can turn to love
Not for this human race

(Editors, Walk The Fleet Road)

Die Band hatte übrigens Spaß. Es ist interessant, dass so lebensfrohe Menschen derartige Musik produzieren können. Aber eigentlich ist es auch egal.

We are but lovers

Damn, this place makes a boy out of me
The rain beats my face by the count of three

(Editors, The Boxer)

Ich habe mich nie wie 65 gefühlt, immer wie 15. Ich habe nie das Leben gehasst, immer die Fesseln, die mich hielten; das Geplapper, das Gewühle, das Unverständnis, wenn ich deshalb wütend wurde. Ich habe nie die Kälte gewollt, immer die Wärme. Ich habe nie gewollt, dass die Flaschen fliegen und es unter meinen Füßen knirscht, wenn ich den Boden betrete. Ich habe immer gewollt, dass die Freunde siegen, und ich habe gehasst, dass ich sie nie verstand.

Muss wohl erwachsen werden.

What’s important

So sing for every buried moment that you’d thought would never end.
And sing your fears about the future; and a dirge for faded friends.
For all the love that you had held to, why it somehow failed to keep.
And sing each minute you’ve been frightened; every hour that you’ve lost sleep.
And sing for all your friends and family; sing for those who didn’t survive.
But sing not for their final outcome; sing a song of how they tried.
We live amidst a violent storm; leaves us unsatisfied at best,
So fill your heart with what’s important, and be done with all the rest.

(La Dispute, The Last Lost Continent)

Während der ganz normale Wahnsinn mir zwischen die Schulterblätter kriecht und will, dass ich an ihm teilhabe, ist der November längst in mir drin, und es fühlt sich beizeiten so an, als wolle er möglichst schnell wieder raus. Daneben findet sich doch tatsächlich endlich eine Hardcore-Band, die sowohl textlich als auch musikalisch ausgezeichnet ist: La Dispute; unbedingt hören!

Das bin ich:


(von hier – schön, schön!)

Vielleicht demnächst mehr.