Archiv der Kategorie 'Kommentar'

EKELHAFT VOLLER SCHUTTLEBUS

Was ich sehr empfehlen kann, ist die neue Titanic. Sie hat es – gemeinsam mit zwei Flaschen Bier und Jörg Juretzkas herzerfrischendem Roman „Das Schwein kam mit der Post“ – mit nahezu jeder zufällig aufgeschlagenen Seite geschafft, einen meiner regelrecht brutalen Anfälle von Kummer der romantischen Natur mit ebenso brutaler Entschlossenheit zur Hölle zu jagen, etwas, was die vorherige Ausgabe, die mit Westerwelle auf dem Cover, nur mit der Wallraff-Satire am Ende hinbekommen hat. Die neue Ausgabe macht das schon mit dem Titelbild, und danach wird alles nur noch besser, aber das kann ja jeder selber sich anschauen, wenn er nicht gerade weinen muss. Denn von der Hölle kommt er wieder, der Kummer, und Titanic ist irgendwann ausgelesen, aber bis dahin: top!

Die Hölle liegt zwischen Köln und Aachen, denn dort taten Titanic, Juretzka und Hansa Pils ihr gutes Werk. Es ist eine Un-Gegend: wann immer man aus dem Fenster schaut, sind da Grasflächen, Lärmschutzwände oder ein Atomkraftwerk, manchmal auch Bahnhöfe, die heißen „Horrem“ oder „Langerwehe“ und sehen auch so aus. Mehr ist da nicht. Da muss man durch, wenn man nach Aachen will. Viele Gründe dafür gibt es nicht, einer davon ist Fußball. An dieser Stelle sei meinem Hass gegenüber modernen Fußballarenen Ausdruck verliehen, doch Halt! War nicht die moderne Fußballarena in Duisburg neulich ein leuchtendes Vorbild? Sie war es: Eintritt für sechs Euro, überdacht, Toiletten und Gastronomie im Block, perfekte Sicht, gute Atmosphäre usw. Aachen hingegen macht alles falsch: Eintritt für 12,50 Euro, überall steht „Event“, und überall sind Ticketschalter, aber man kann an ihnen keine Karten für den Gästeblock kaufen, das geht nur im Gästebereich, der beginnt 100m abseits des Stadions, man muss durch eine Unterführung, und schließlich steht man an einem Block, vor dem einem echtes Bier angeboten wird, aber das bekommt man nicht, und das ist angeblich „immer so“. Der Block selber ist eng, die Toiletten unten, das Stadion komplett in gelb, was will man eigentlich hier? Ach ja, den ersten Saisonsieg sehen. Hat geklappt.

Auf der Rückfahrt gab es dann „Felsgold“-Pils, sehr gut allein schon deshalb, weil es dort, wo andere Bierflaschen blumige Sprüche oder irgendwelche Bilder aufbieten, ohne Not die GDA-Nährwerttabelle für Bier abdruckt. So lernt man noch was, nämlich, dass in Bier 19% des Tagesbedarfs an Zucker steckt. Geil! Schmecken tut es nach Pisse.

Nein: nach gar nichts. Wie schmeckt Urin? Eine Frage für zukünftige Bloggergenerationen, nicht für mich. Ich widme mich daher nun wieder meinen Studien.

Tot überm Zaun in Wattenscheid

Wolfgang Wendland, seines Zeichens Aktionskünstler der Musikgruppe Die Kassierer, kandidiert für die Bezirksvertretung Wattenscheid auf der Liste der Linken. Genosse Diffi hat den Irrsinn, der die dazugehörige Internetseite ausmacht, bereits recht anschaulich dargestellt. Hat Wendland sich gedacht: das ist so bekloppt, da bin ich dabei? Wohl eher nicht: wenn der Mann sich nicht gerade auf der Bühne auszieht und dort seine Notdurft verrichtet, ist er ein seriöser Kommunalpolitiker sowie „Mediengestalter, Filmemacher, Musiker“, dem sein Anliegen – ein Kulturzentrum für Wattenscheid – eben so wichtig ist, dass er nun gemeinsame Sache mit der Linken macht. Ob’s was bringt?

Übrigens, liebe Linke: wieso vererbt sich Armut nicht mehr, wenn „Bildung von der Kita bis zur Uni“ kostenfrei ist? Und ist Armut okay, wenn sie sich nicht mehr vererbt? Glaubt ihr wirklich ernsthaft, im Kapitalismus Armut abschaffen zu können – durch kostenfreie Bildung? Die Grünen sind da ehrlicher: eines ihrer Dortmunder Plakate zeigt ein kleines Mädchen, das traurig in die Kamera schaut, darüber der Satz: „Habe gleich Mathe, Englisch, Hunger.“ Als Wahlkampfslogan dazu schreiben Die Grünen: „Zeit für eine warme Mahlzeit. Zeit für Grün.“ Das ist Kapitulation und damit beinahe wieder sympathisch, wenn man nicht wüsste, dass diese Partei es wirklich ernst meint und über eine Gesellschaft, die täglich „Mathe, Englisch, Hunger“ für viele Kinder garantiert, seit vielen Jahren gar nicht mehr hinaus denken möchte, sondern „eine warme Mahlzeit“, am besten aus der Bio-Küche, tatsächlich als Endziel, als das höchste der Gefühle, ansieht: Reformismus in seiner widerlichsten Form, der biologisch-ökologisch-grünalternativen mit eingebautem Tränendrüsendruck nämlich. Weitere Worte über Die Grünen zu verlieren wäre nutzlos, hat doch der große Übersetzer und Rezitator Harry Rowohlt bereits alles nötige dazu in einem Satz zusammengefasst:

Lieber hänge ich tot über einem Zaun im Kosovo, als daß ich auch nur eine Sekunde lang die Grünen unterstütze.

In diesem Sinne: Rot Front!

Analyse, Kritik & Aktion – humorlos, politisch, dumm

Analyse, Kritik & Aktion, das Blogsport-Blog, auf dem es garantiert weder Analyse, Kritik noch Aktion zu sehen gibt – so wie ja bekanntlich auch ein „frischer Salat“ im Restaurant niemals tatsächlich frisch ist –, meint, in der politischen Partei Die PARTEI einen Versuch der „subversiven Satire, der politischen Intervention oder kreativen Dekonstruktion sozialer Klischees“ erkannt zu haben und findet das unerhört, denn eigentlich handele es sich, genau wie bei Analyse, Kritik & Aktion, um eine „irrelevante Sekte“.

Dass es u.a. dank der Partei Die PARTEI dieses Jahr zum ersten Mal internationale Wahlbeobachter bei einer deutschen Bundestagswahl geben wird, das Land sich also auf dem direkten Weg in Richtung Chaos, Anarchie, Kommunismus befindet, lassen die Herren Analytiker dabei genauso außer Acht wie die Tatsache, dass die beim Bundeswahlleiter (bei Analyse, Kritik & Aktion: „Landeswahlleiter“) vorgetragenen Argumente gegen die Nichtzulassung der Partei Die PARTEI – das ist auf einem vom Bundestag selbst online gestellten Video einwandfrei nachzuvollziehen – absolut hieb- und stichfest sind, was nur einen Schluss in der ganzen Sache zulässt: die Gefahr, die von der Partei Die PARTEI für die deutsche Demokratie ausgeht, ist so eklatant, dass den Herrschenden nur noch der Weg der brutalen Willkür möglich erscheint, um die blau-roten Horden aufzuhalten. Das ist mehr als man über Analyse, Kritik & Aktion sagen kann und jemals sagen wird!

Der Slogan Where is my vote, Herr Wahlleiter? ist daher alles andere als „ekelhaft“, denn er zeigt das massive Demokratiedefizit, unter dem die Herren von Analyse, Kritik usw. leiden, schonungslos auf: „Prügel, Morde, Verhaftungen und totalitäre Repression“ gibt es in dieser Demokratie nur für Asoziale, Kriminelle, in die Richtung jedweder Perversion Verdorbene, Fußballfans und Ausländer, nicht aber für kritisch aktive Analytiker, die „wehrt“ darauf legen, „Kapitalismus, Umweltzerstörung“ sowie „der Entmündigugn des Bürger“ nicht etwa ein „künstlerisches Konzept Satire“ entgegenzusetzen, sondern Analyse und bla, ein Politblog eben: wir hier bei Blogsport wissen Bescheid. „Nicht politisch“ sei hingegen die Partei Die PARTEI, sondern lediglich oberflächlich versehen mit „politischen Slogans“ wie Hamburg – Stadt im Norden, Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen. Außer uns und Ole von Beust ist schwul. Das ist ein Skandal. Noch skandalöser ist nur die Tatsache, dass Kanzlerkandidatin Samira el Ouassil hübsch ist bzw. sie „sexistisch verdinglicht“ an Sonneborns Seite in die Kamera lächelt, so als wäre das, was sie da tut, tatsächlich Wahlkampf und sie – hahaha – eine echte Kanzlerkandidatin!

So geht’s ja nun nicht, liebe „Mitglieder_innen“ von Analdüse, Kniefick & Axiom! Lachen könnt ihr nicht, von Realpolitik habt ihr keine Ahnung, und mit der deutschen Sprache steht ihr auf dem Kriegsfuß. Macht doch mal Satire, also das, „daß vor allem Spaß haben will“, denn Spaß, den könnt ihr gebrauchen, echt jetzt, „keine Ausrede, sondern irgend was anderes“, nämlich: ein guter Rat.

Das ist doch keine Satire mehr!!

(Alle Zitate vom verlinkten Artikel, Stand: 10.08.2009, 21:11)

Der schönste Platz ist immer an der THEKE, verdammt!

Muff Potter ist tot. Welche Freude!

Gemeint ist natürlich nicht der sympathische Obdachlose aus Mark Twains Die Abenteuer des Tom Sawyer, sondern die Musikgruppe aus Rheine, die, weil sie den Fehler machte, von dort aus nicht etwa in eine gute Stadt, sondern nach Münster zu ziehen, irgendwann eben auch genau so klang: nach grünalternativem Fahrradfahrer mit kritischem Gestus, nach Student und Studentin, drei Uhr morgens im Gleis 22, willenlos sich an einem Bierglas festhaltend, ohne Aussicht auf Erfolg, Heilung, guten Geschmack; irgendwas. Muff Potter war eine hervorragende Punkband, etwa drei Alben lang; dann ist sie Konsens geworden, angesiedelt irgendwo zwischen Virginia Jetzt! und dem vierten Album von …But Alive, und das nicht einmal mit guten Songs oder klugen Texten, sondern mit dümmlichen Wortspielen und belanglosem Deutsch-Rock. Folgerichtig interessierte sich außer einer kleinen Fangemeinde und dem einen oder anderen verwirrten Kritiker auch niemand für die Band, weshalb sie sich nun aufgelöst hat. Wer den Abschiedsbrief richtig liest, erkennt das:

wir glauben, daß wir nach gut 16 jahren an einem schlusspunkt angekommen sind. wir glauben, daß wir dieses jahr mit „gute aussicht“ eine der besten randale platten des ganzen jahrzehnts abgeliefert haben. wir glauben, daß wir in all den jahren, nicht zuletzt 2008/2009, phänomenal viel energie in diese band gesteckt haben.
muff potter, ein monster, larger than life.

Glauben kann man vieles, mit Wahrheit indes hat das meist nicht viel zu tun. Übersetzt heißt das aufgeblasene Geschwafel sowieso nur folgendes: SECHZEHN JAHRE GIBT ES UNS JETZT SCHON, UND WIR SIND IMMER NOCH NICHT REICH, OBWOHL WIR – VERDAMMT NOCHMAL – SO SUPER GUT SIND, DASS ES KRACHT. GEMEIN, GEMEIN, GEMEIN! Aber das schreibt man nicht, man muss es in billigem Studentensprech und mit der widerlichsten Form von Pathos, die überhaupt vorstellbar ist, derjenigen mit Understatement nämlich, verwässern, damit die dämliche Fanschar wenigstens noch zu den Abschiedskonzerten kommt und nicht gleich mit beleidigt ist.

Eines dieser Abschiedskonzerte findet am 11.9. im neuen Dortmunder „Freizeitzentrum West“ statt, zusammen u.a. mit Chuck Ragan, für geschmeidige 24 Euro. Was einen Mann wie Ragan dazu treibt, mit Muff Potter gemeinsame Sache zu machen, ist mir schleierhaft, aber Geschmacksverirrung macht ja bekanntlich selbst vor großen Künstlern nicht halt. Der Mann jedenfalls ist gut, also, damit wir uns richtig verstehen: seit er solo singt. Hot Water Music war Mist.

Man könnte glatt hingehen. Und die ganze Zeit „Fernbedient“ fordern und singen, den so ziemlich besten Song, den Muff Potter – neben „Meduzin“ – jemals gemacht haben: „wir sind die schwulen säue und die dreckigen zecken – wir sind geniale krüppel – und ihr am verrecken – und was sollen wir machen – außer lachen“, und dann lachen. Aber ich habe Wichtigeres vor am elften September: Bielefeld muss dem Erdboden gleich gemacht werden, Rot-Weiß Ahlen wird das Mittel der Wahl sein, und am Ende des Tages erwarte ich an der Stelle, an der zuvor die Schüco-Arena gestanden hat, einen gigantischen Krater, Staub, Ground Zero, das Ende (Arminia) Bielefelds. Oder zumindest einen 2:1-Sieg!

Wird schon.

P.S.: Was sind eigentlich „randale platten“?

Eine Waffe

Auch an der Technischen Universität Dortmund ist der Bildungsstreik in vollem Gange, wie ich heute bei einem meiner gelegentlichen Besuche dort feststellte: der kraftvolle kämpferische Ausdruck des studentischen Protests manifestiert sich etwas abseits des Haupteingangs durch einen Waffelstand. Einige Meter weiter hat der ASTA ein Transparent aufgehängt: „Solidarität ist eine Waffe(l)“ lautet der Slogan, und es wird zur „Volksbewaffelung“ aufgerufen.

Was kann man da noch tun?

Besteht noch Hoffnung?