Der Zug war ganz schön abgefahren: drei gezackte Streifen auf dem Bug, die fette Schnauze, darüber hinaus noch bunte Plastikblumen an jeder Eingangstür. Ein Nilpferd begrüßte Billy, als er sich dem dampfenden Ungetüm näherte. „Wir sind eine Dampflok“, schnaufte es, seine Kapitänsmütze schwenkend, „willst du mitfahren? Noch ist ein Platz frei! Aber nur einer!“ Billy nahm seine braune Schiebermütze ab und kratzte sich am Kopf. Klar wurden seine Haare dadurch noch etwas zerzauster als sie ohnehin schon waren, aber das fand er sogar ganz gut. Er rückte sich die Hosenträger zurecht und bestieg die olle Dampflok, aus der unablässig Rauchwolken stoben.
„Du weißt aber schon, daß das Rauchwolken sind, die da aus dir rauskommen?“ fragte Billy die Dampflok, „und daß der Name ‚Dampflok’ deshalb ganz schön unpassend für dich ist?“ Die Dampflok antwortete nicht, denn Dampfloks können nicht sprechen. Stattdessen tat es das Nilpferd: „Klar, Junge, so ist das nunmal hier bei uns! Leben wir nicht in einer verrückten Welt?“ Dem konnte Billy nur beipflichten. „Ich pflichte dem bei“, piepste der Junge und bezog seinen Platz neben dem Steuerknüppel. Er bezog ihn mit Fliederbettlaken. „Was machst du denn da?“ schimpfte da ein Stachelschwein, das aus dem Hinterhalt sich herangeschlichen hatte, „nun benutz gefälligst die graugestreifte Einheitswäsche, wir sind hier nicht im Kino!“ Darauf konnte Billy nichts sagen, und er hockte sich schmollend auf den unbezogenen Sitzplatz. Weil aber kein Bezug darauf war, fiel er sofort wieder herunter und mußte unbeholfen mit ansehen, wie der Sitzplatz laut und deutlich zu fluchen begann: „Verdammte Scheiße, ich hab echt keinen Bock, mich mit so beschissenen Kinderärschen rumzuschlagen, Scheißendreck nochmal.“ Billy, die Augen weit aufgerissen, klatschte vergnügt in die Hände und beschloß, den Miesepeter allein zu lassen, um dem Stachelschwein in die Kombüse zu folgen.
„Hast du Hunger?“ fragte das Viech, und Billy bejahte. „Dann guten Appetit!“ Der Junge war sich nicht sicher, was er tun sollte, denn das Stachelschwein hatte sich auf den Rücken, also auf die Stacheln, gelegt und strampelte mit zusammengezogenen Augenbrauen in der Luft herum. „Friß!“ schrie es. Billy zuckte mit den Schultern – soviel Unsinn hatte er ja noch nie auf einem Haufen gesehen – und schlenderte zum Notausgang. Der versprach viel und hielt aber wenig, denn weder ging es nach draußen noch war Billy in Not. Trotzdem trat er hindurch, und dann war er wieder in seinem Kinderbett, und alles war ruhig, sieht man mal von dem Monster im hölzernen Kleiderschrank ab, das genüßlich schon die Messer wetzte, hatte es doch die ganze liebe Nacht lang auf den kleinen Billy gewartet.