I found the love but it didn´t last
Wonderfull Days belong to the past
I don´t know where I stand, what I´m to do
tried to forget and to find someone new
so I praid on my knees to heaven above
send me somebody please, someone to love
to continue my story give me your hand
don´t let me down with a heart to be damned.

(Charly Lownoise & Mental Theo, „Wonderfull Days“)

Nichts ist so schlimm wie das Leben, denkt sich der kleine Junge mit den langen Wimpern und schlurft mit einem schüchternen Lächeln über den Schulhof. Vielleicht denkt er auch eher an was anderes: an Pornographie vielleicht oder an das erste Bier. Ich glaube, er denkt an seine Mutter, wie die ihn heute morgen wieder aus dem Bett gescheucht hat, kurz bevor sie sich in ihres gelegt hat, um mal ein paar Stunden zu schlafen. Nichts ist so schlimm wie das Leben, denke ich und schlurfe hinterher.

Ob er verliebt ist? Ob er eine Freundin hat? Er trägt immer lange Sweatshirts, denn seine Hände sind zerkratzt. Die Lehrerin sieht das nicht gerne, sie sagt „die Ärmel hochkrempeln“, und er krempelt sie hoch. Es scheint ihm egal zu sein. Später frage ich ihn, ob er gerne mit dem Kicker spielt, und er zuckt nur mit den Schultern. Ich weiß genau, daß ich gerne Kicker spiele, aber ich bin ja auch erwachsen und muß mir nicht mehr so viele Fragen stellen; ich muß einfach funktionieren, und, mal ehrlich, ich gebe mir doch alle Mühe, oder nicht?

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Are you ready to fly, can you leave the world behind,
are you ready to fly? Together we‘ll reach for the sky.

(Dune, „Are You Ready To Fly“)

Am Ende des Feldes geht die Sonne unter, aber ich kann das nur erahnen, weil da Wolken sind, die stören. Mit zugesifften Schuhen stehe ich da und starre in die Ferne und freue mich, daß es das hier alles gibt. Der Himmel sieht einfach verdammt cool aus, denke ich und mache mich auf den Heimweg. Irgendwann wird das alles überwunden sein, denke ich, und ich denke auch an diese kaputten Superhelden, deren Geschichte ich neulich verschlungen habe, diese verrückten Typen, die die Welt retten wollen. Sollen sie doch, denke ich, und an morgen, wenn ich wieder mich überwinden muß.

Das Geflimmer hört nicht auf zu nerven. Es ist ein Zucken von Lichtern, die alle nur das Eine wollen. Irgendwo dahinter vermute ich das, weshalb ich gekommen bin, aber ich weiß genau, da gehst du nicht mehr durch. Was auch immer mich sucht, es tut dies nicht auf einem abgefuckten Barhocker, und so höre ich auf zu denken und bestelle eine Flasche Bier. Als mich jemand anspricht, ist sie bereits halb leer, und als ich mich umdrehe, merke ich, daß ich hier raus muß. Draußen ist es am schönsten, höre ich mich denken und übergebe mich in ein frisch gepflanztes Blumenbeet. Bloß nach Hause. Weg von hier.

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Es ist alles programmiert,
jeder Blick jedes Wort, jedes Gefühl.
Es ist alles tief in mir,
vergiss das nie, es war ’ne schöne Zeit mit dir.

(Das Modul, „Programmiert“)

Die Blumen waren verwelkt, denke ich, als ich mit einem Bier in der Hand auf dem Sofa liege. Das paßt ja. Vor dem Fenster ziehen Wolken vorbei, und ich habe das Gefühl, ein bißchen ausgelacht zu werden. Den Wolken muß ich es zeigen, denke ich und ziehe gekonnt die Mundwinkel nach oben: Prost, ihr Säcke! Prost, du Sau. Soll ich aus dem Fenster springen? Muß nicht sein, ehrlich gesagt, ich kann mir auch genau so gut erstmal einen runterholen. Der PC springt nicht an.

Auf dem Weg von hier nach dort komme ich wieder an all den kleinen Waldstücken vorbei, in die ich mich gerne einmal hineinlegen würde. Ich würde einfach liegen und nichts spüren außer dem Boden, in dem ich einmal liegen werde, und den beschissenen Ameisen, die mir das Hosenbein hoch krabbeln. Es ist so schön im Wald; so idyllisch. Manchmal wirken Pflanzen auf mich wie Tumoren, die das Antlitz der Erde verpesten, und Fabrikschornsteine und angestrahlte Kühltürme sind dann schöner. Aber nicht jetzt, jetzt will ich da sein. Ich wende den Blick ab, mechanisch, und warte auf die nächste Ansage.