Der Kanarienvogel im Mitternachtszug beherrschte die Sprache der Titanen perfekt. „Halt die Schnauze, feine Lady!“ krächzte er, immerzu darauf bedacht, nicht zuviel seines Samens zu verschütten, den er stets in einem Marmeladenglas mit sich herum trug. Alle anderen Gäste des fahrenden Ungetüms waren gerechtfertigterweise schockiert. „Nein, was für ein Unhold“, mäkelte die feine Lady aus der Ecke in den Raum, „was für ein böser, böser Unhold.“ Aber darüber hinaus schenkte dem komischen Vogel niemand Beachtung, denn in diesem Moment durchquerte der Zug eine spaltenförmige Schlucht direkt vor der Kreuzung zum Primatenzoo. „Wie schön es hier ist!“ bellte der zylinderförmige Hund mit der Schnauze aus Zellophan und hieb einer Katze den Schwanz ab. „Das laß ich mir nicht bieten!“ kreischte die und sprang ohne Umschweife aus dem Fenster und gegen einen Gummibaum. „Nein, wie unhöflich!“ konstatierte die Lady, wobei sie sich wieder ihrem marmornen Sektglas zuwandte. „Sind wir denn schon am Ziel?“ wollte da der dünne Unhold wissen, der die ganze Zeit schon wie bekloppt aus dem Fenster starrte, „ich glaube, mein Schwein pfeift.“ „Nicht ganz, Monsieur“, bemerkte da das Schwein mit dem Martiniglas und hinterließ einen Haufen auf dem Teppich. „Wir haben doch alle keine Ahnung, wohin wir gehen“, erhob sich die Stimme des Zugführers aus dem Off, „wir sind doch alle wie Fische in einem großen, großen Strom, und ständig kommt ein Angler und will uns haben! Nächster Halt Krakau, Ausstieg in Fahrtrichtung rechts!“ Gesagt, getan. Doch wußte keiner so recht, was er hier sollte, und da kam es ganz gelegen, daß vom Himmel eine Katze fiel, offenbar Opfer eines gewalttätigen Gummibaums, und vor ihnen auf dem Boden zerplatzte. Der Gestank war ohrenbetäubend, der Kanarienvogel schlug vor, etwas trinken zu gehen: „Ich kenne da eine gute Bar, hier ganz um die Ecke. Folgen Sie mir!“ Dummerweise flog er zu schnell und starb wenige Jahre später einsam an Fettleber.