Ist das nicht schön? Es gibt wieder Elche in Ostdeutschland. Das sympathische Riesentier (größer als ein Pferd, schlauer als ein Ostdeutscher) scheint sich wieder anzusiedeln drüben, wie diverse Medien berichten. Wissenschaftler äußern bereits die Hoffnung, daß über kurz oder lang gar mehr Elche als Menschen das karge Land da drüben bevölkern werden – zweifellos ein Schritt in die richtige Richtung. Aber es gibt noch mehr gutes.

Leider fällt mir nichts ein. Jedes Loblied auf den goldenen Gerstensaft ist bereits gesungen, jede emotionale Regung bereits in adäquate Töne gegossen worden. Was will man da noch schreiben? Hat doch alles keinen Sinn. Ich mein, man muß sich nur mal angucken, worüber die Menschen so reden. Übers Wetter zum Beispiel, über Realpolitik oder darüber, daß es ihnen nicht so gut geht. Die sollen mal alle die Fresse halten! Was soll ich denn sagen? Fragt mich mal jemand? Ja, klar, aber nur so zum Spaß, so nebenher, da hab ich ja nichts von. Außerdem will ich gar nicht, daß sie mich fragen, die können mich nämlich alle mal, sind eh alles Elche bald.

Der Elch an sich hat eine interessante Schnauze und röhrt. Alleine dafür gehört er gelobt. Röhren ist ein so perfektes Wort! Ähnlich wie Kotzen, das existiert auch nahe der Perfektion. Mein Lieblingswort aber ist, Achtung, “Punzenlecker”, die historische Bezeichnung für das heute weitaus geläufigere “Schoßhund”. Ein anderes Lieblingswort ist “verkasematuckeln”, welches vor allem so benutzt werden sollte: sagt Harry zu Heinz: “Laß uns heute mal ordentlich einen verkasematuckeln gehen. Bier und so.” Sagt Heinz zu Harry: “Toll, daß du so geile alte Wörter kennst. Willst du mit mir schlafen?” An dieser Stelle blenden wir uns, Gentlemen wie wir sind, ganz diskret aus.

Wenn Heinz und Harry fertig sind, hören sie Musik und rauchen eine. Das ist auch so etwas, was ich zutiefst verurteile: komische Rituale. Was um alles in der Welt denken sich die Menschen nur dabei, wenn sie Dinge durchführen, die total dämlich sind, die aber immer schon gemacht wurden und deshalb gar nicht mehr so dämlich anmuten? Nichts, denn sie sind dämlich. Ich sage: Kampf den Traditionen! Her mit neuen unsinnigen Dingen.

Zum Beispiel wäre es doch mal toll, wenn bei einer Geburt alle ganz betreten dreinschauen und schwarze Klamotten tragen würden, nur um zwei Tage später bei der Beerdigung von Omma so richtig die Sau rauszulassen, nackt. Aber das ist eine Utopie, und Utopien sind nicht gern gesehen im wilden Wettstreit der Weltanschauungen, der eigentlich nur halb so wild ist, weil sowieso alle nach “Alternativen” fragen und das Hirn ausschalten, wenn es darum geht, ihre eigene kleine Dummkopfideologie zu kritisieren. Ich biete deshalb immer gleich ein Bier an, wenn es soweit ist, und dann wird verkasematuckelt, daß die Schwarte kracht, und irgendwann kommen Harry und Heinz zurück und berichten von röhrenden Elchen bei ihrer Landhausvilla vor der Stadt, und da geht’s dann hin, mit alle Mann und Punzenleckern, und alles wird gut, weil alle röhren.