Hinter dem Fernmeldeturm beginnt die große Weite, sagst du und lächelst blöd aus der Wäsche. Ich möchte dir dein Gesicht einschlagen, weil du nicht weißt, was „die große Weite“ ist und weil du es deshalb nicht so bedeutungsschwer Leuten wie mir ins Gesicht posaunen solltest. Du bist ein Arschloch, eine blöde Sau, einer derjenigen, die immer wieder Romantik und Gefühl verwechseln, die ihre Fresse immer dann aufreißen, wenn es wirklich, wirklich unpassend ist: beim Pausentee im Wettbüro, beim Fußball und beim Rasenmähen, bei der Beerdigung deiner bekackten Großmutter. Mir würden noch tausend andere Dinge einfallen, weil mir alles auf den Sack geht, was du tust, aber ich widme mich lieber meiner Flasche Bier und höre Shane MacGowan zu:

I come old friend from Hell tonight
Across the rotting sea
Nor the nails of the cross
Nor the blood of Christ
Can bring you help this eve
The dead have come to claim a debt from thee
They stand outside your door
Four score and three

Du bist eben doch nur eine arme Sau, so wie wir alle. Wir hängen so rum, die Welt geschultert auf dem IKEA-Regal, und wir bemerken gar nicht, daß dies eine Welt ist, die wir klein gemacht haben, bewußt, so klein, daß sie in unseren verdammten Kopf paßt. Dabei ist die Welt so wie sie ist, aber wehe, du sagst mir das, dann hab ich gleich wieder einen Grund, dir die Fresse einzuschlagen, denn das will ich nicht hören, das weiß ich selber, also laß uns doch zur nächsten Kneipe gehen, um ein bißchen was zu trinken und folgendes zu vergessen: die Welt ist das größte Arschloch von allen. Das ist dir zu hoch? Nein, das ist dir zu billig, klar. Mir doch egal. Solange wir uns hinterher wieder in den Armen liegen.

Oh sweet city of my dreams
Of speed and skill and schemes
Like atlantis you just disappeared from view
And the hare upon the wire
Has been burnt upon your pyre
Like the black dog that once raced
Out from trap two

Ich gehe jetzt nach Hause; das Zuhause ist da vorne irgendwo. Ich springe dabei über deinen Schatten, weil mir das Spaß macht. Ich tausche mein leeres Bier gegen ein neues ein, lasse die Luft raus, setze mich auf eine Bank und genieße das Leben. Ich schaue den Vögeln zu. Es ist ein schöner Tag.

Du setzt dich zu mir und hälst die Luft an; dann lachst du. Das sieht grotesk aus, und ich muß auch lachen. Ich muß zum Glück nicht deshalb lachen, weil ich Lachyoga betreibe, sondern weil das verdammt lustig aussieht, was du da abziehst. Dann fällt mir ein, daß du es bist, der da Lachyoga betreibt, und sofort höre ich auf zu lachen. Hau doch ab, denke ich, hau doch einfach ab, ich geh nach Hause, ich geh jetzt, ich geh jetzt wirklich, ich mach jetzt wirklich endlich Schluß, und dann bleibe ich noch bis zum Sonnenuntergang da sitzen und trinke das Bier aus und hol‘ mir noch eins, und dir von mir aus auch.