Mir geht es gut wie zwanzig Russen, die in verschneiter Nacht bei Stalingrad ein Vodkalager der Deutschen ausheben. Heute habe ich gelernt, was „Brauner Vodka“ ist, und, heidewitzka!, ich möchte ihn probieren.

Bevor ich gelernt habe, was Brauner Vodka ist, lauschte ich einem einstündigen Referat über Folien. Ganz recht: über Folien. „Die Geschichte der Folie“, dieser Unterpunkt gefiel mir am besten. Aber auch die Gruppenarbeit war nicht ohne: auf einer Folie die Bundesländer Deutschlands eintragen! Um die lieben Studierenden nicht zu überfordern, sollten pro Gruppe aber nur fünf Bundesländer eingetragen werden, dazu dann noch Ministerpräsident und Hauptstadt. Weil ich das nicht einsah, ließ ich von meiner Schreiberin alle Bundesländer ausfüllen; bei einem wußte ich die Hauptstadt nur zu 50%, und bei zweien fiel mir der Ministerpräsident nicht ein. Dennoch ein gutes Ergebnis für einen angehenden Lehrer: als die Folie aufgelegt wurde, ging ein anerkennendes Raunen, ein stummer Aufschrei des Entzückens, durch die Reihen, und ein Kommillitone fragte konspirativ wispernd: „Wer von euch hat denn soviel innenpolitisches Wissen?“ Wer wäre ich, daß ich da nicht feist grinsend mit beiden Daumen auf mich zeigte? So tat ich das. Zum Glück war der Murks bald vorbei.

Die darauffolgende Seminarsitzung trieb mich zu weiteren intellektuellen Höchstleistungen: ich malte aus. Das war herrlich regressiv – seit der Grundschule hatte ich nicht mehr ausgemalt. Gut, damals waren es Blumen, Tiere, irgendwas für Kinder eben, und heute eine Landkarte; es bleibt aber dabei: ich kann das nicht. Egal wie lange ich mit welchem Stift wie über die auszumalende Fläche rubbele, es bleiben immer weiße Stellen, und von den Rändern gar nicht erst zu reden! Nein, nein, zum Ausmalen bin ich nicht geboren, ich bin kein guter Ausmaler. Für alle Zeiten soll dies auf meinem Grabstein stehen: ich bin kein guter Ausmaler. Vom vielen Ausmalen bekam ich Kopfschmerzen, also packte ich meine Sachen zusammen und kündigte an zu gehen. Der Aufschrei der Entrüstung, der auf diese Ankündigung folgte, gleicht dem Aufschrei der Entrüstung der zehn Deutschen, denen die Russen ihren Vodka gestohlen haben. Kopfschmerzen! Macht doch nichts!

Doch: wenn ich Kopfschmerzen habe, kann ich nicht saufen, weil ich die ganze Zeit „aua, aua“ sagen muß und schlafen. Und saufen, das muß ich ja. Denn höret die Worte des Meisters und lauschet dem lieblichen Klang der Buntstifte in Grundschulen:

„Hallo Realität“, sage ich, „da staunst du, daß ich dich noch immer ertragen kann!“

(Max Goldt, „Man muß sich ganz schön abstrampeln, um akzeptiert zu werden“, in: Die Kugeln in unseren Köpfen)

Schönes Wochenende.